Weihnachten in Japan

Weihnachtsfest JapanAuf der ganzen Welt wird im Zusammenhang mit Weihnachten von Konsumwahnsinn und Dekorationswut gesprochen. Bemängelt wird oft, dass die Bedeutung des Weihnachtsfestes vergessen wird und es oft nur mehr um die Tatsache des Schenkens geht. Religiöse Hintergründe würden ausgeklammert werden. Umsatzzahlen und wirtschaftliche Absätze seien der einzige Grund, wieso Firmen, Unternehmen und Geschäfte fleißig die Werbetrommel rühren.

Sieht man das ganze als Kritik, dann ist das eins zu eins auf den asiatischen Staat Japan anzuwenden. Denn ohne Zweifel hat das Weihnachtsfest üblicherweise eine christliche Tradition und im Land sind gerade einmal zwei Prozent der Gesamtbevölkerung, die sich zum Christentum bekennen. Während des zweiten Weltkrieges war das Fest sogar verboten, damit nicht zu viele westliche Einflüsse die japanische Kultur überschwemmen. Heute ist das ganz anders. Alles was aus dem Westen kommt, wird als cool und zeitgemäß aufgefasst. Einen Aufschwung hat dieser Trend vorwiegend mit der stetigen Verbreitung des amerikanischen Fernsehens genommen. In vielen Serien und Sitcoms wurde gezeigt, wie das perfekte Weihnachten auszusehen hat. Daran haben sich auch die Japaner orientiert und feiern den amerikanischen Stil des Weihnachtsfestes mit allem was dazugehört, sogar noch mit ein bisschen mehr.

Familie hat dabei aber keinen wirklichen Stellenwert, Weihnachten ist sozusagen die Mischung aus Valentinstag und Silvester. Pärchen und Verliebte stehen im Mittelpunkt und alles rundherum wird nach diesem Motto gestaltet. Sie feiern somit quasi einen schönen romantischen Weihnachtsabend für zwei. Will man am Weihnachtsabend in einem schicken Restaurant zu Abend essen, sollte man sich schon Monate zuvor dazu entschließen. Denn das denken sich viele andere Japaner auch. Auch hier gilt das Motto, je besser und teurer das Restaurant umso besser das Weihnachtsfest. Denn di Komponente des guten Essens darf nicht fehlen. Nur wenige die es sich leisten können, stellen sich wirklich noch selbst vor den Herd und kochen das Weihnachtsmenü.

Für frisch Verliebte bietet eine dekorierte japanische Großstadt viel Romantik. An Lichtern und Leuchtketten versuchen sich optisch Kaufhäuser und Gebäude zu überbieten. Manchmal kann es hier sogar zu Verkehrsstaus kommen, da schaulustige Autofahrer ihren Wagen halten um das eine oder andere Fotos von dem Lichterspektakel zu schießen. Das ist bestimmt eine japanische Besonderheit, was in Europa oder in den USA nur selten zu finden ist. Partys mit Luftschlangen und Knallfröschen stehen an der Weihnachts-Tagesordnung. Da kommt der Brauch des Schenkens gerade recht. Denn die Bevölkerung des asiatischen Staates ist geradezu erpicht auf das gegenseitige Überreichen von kleinen Aufmerksamkeiten oder manchmal auch größeren Geschenken. Dabei ist es aber nichts Besonderes, denn Beschenken hat eine lange Tradition in Japan und wird als eine sehr höfliche Geste aufgefasst. Natürlich lieben die Kinder das ganze noch umso mehr, denn diese sind nicht anders als ihre europäischen Kollegen und Kolleginnen.

Bei dem ganzen Trubel fällt gar nicht auf, dass die Feiertage ganz normale Arbeitstage sind. Nur der 23. Dezember ist gesetzlich frei. Das hat aber keines Falls einen religiösen Grund. Es ist schlichtweg der nationale Feiertag zu Gunsten des Herrschers von Japan, dem Kaiser Akihito.