Weihnachten in Finnland

Weihnachtsfest FinnlandIst Finnland die Heimat des Weihnachtsfestes, werden sich wahrscheinlich jetzt einige Leser und Leserinnen fragen. Es sprechen natürlich viele Faktoren dafür und jedes Jahr nehmen eine Menge Touristen aus der ganzen Welt die Strapazen einer Reise in das Land im Hohen Norden auf sich um sich selbst davon zu überzeugen. Hier besucht man unter anderem den Park des Weihnachtsmannes in Rovaniemi, wo kein Klischee außen vor gelassen wird. Denn alles, was man sich so in seiner Fantasie über ein perfektes und kitschiges Weihnachtsfest vorstellt, findet man dort. Laut einem Mythos und dem Glauben vieler Finnen und Finninnen wohnt der Weihnachtsmann aber in Korvatunturi. Dort sind auch seine Rentiere und viele fleißige Helfer das ganze Jahr über beschäftigt, die Tausenden oder sogar Millionen an Geschenken zu produzieren. Wer das jetzt ein wenig überzogen hält, der sollte nach Finnland reisen. Denn nicht nur im höheren Norden wird diese Weihnachtsphilosophie gelebt, sondern sogar in den Städten im Süden des Landes ist man mit Herz und Seele dabei. In Helsinki und Turku gibt es Geschäfte, die das ganze Jahr über mit Weihnachtsaccessoires und -kitsch werben. Anscheinend funktioniert es auch.

Aber wie feiern die Finnen selbst ihr heißgeliebtes Weihnachtsfest? Zunächst beginnt die Adventszeit mit dem ersten Feiertag am 6. Dezember. Aber entgegen aller Erwartungen ist es nicht der Nikolaustag, sondern der Unabhängigkeitstag, der hier am Programm steht. Denn 1917 erreichte Finnland die Eigenständigkeit und gehörte nicht mehr Russland an. Davor war man nämlich auch teilweise Teil des schwedischen Königreiches. Die jetzige Unabhängigkeit wissen die Bewohner mehr als zu schätzen. An diesem Tag ist die Fahne überall präsent und die Medien berichten beinahe nur über Verhandlungen und öffentliche Reden zum Feiertag. Es herrscht also noch richtiger Patriotismus im Hohen Norden.

Nach diesem eher unweihnachtlichen Feiertag, kommt aber erst die richtige Ladung Weihnachten. Wie schon vorher erwähnt gehörte Finnland lange Zeit zu Russland. Deshalb hat man auch die Leidenschaft für den Wodka übernommen. Dieser und der traditionelle Glühwein, der Glögg, werden bei gemütlichem Zusammensitzen gerne getrunken. Pfefferkuchen und Blätterteigsterne zusammen mit Zwetschkenmus werden gerne gleichzeitig verspeist. Es wird getanzt und gesungen. Traditionell sind auch die vielen Firmenfeiern, die aber oft schon Ende Oktober gefeiert werden. Auch hier geht es feuchtfröhlich zur Sache. Das hat den Grund, da einige Unternehmen in der kalten Jahreszeit zusperren oder zumindest kürzer treten.

Eine skurrile Besonderheit ist auch die Weihnachtsbriefmarke. Jedes Jahr wird sie aufs Neue entworfen und erfreut sich großer Beliebtheit. Auch die lange Tradition der Sauna, die heute noch besteht, sei nicht vergessen. Bevor man am 24. zum Festmahl geht, trifft sich die ganze Familie noch in der Sauna.

Dann rücken die Weihnachtsfeiertage immer näher. Am Tag vor Weihnachten isst man einen speziellen Brei, zubereitet aus Zimt, Zucker und Milch. Darin ist auch eine Mandel versteckt. Wer diese in seinem Teller hat, wird im nächsten Jahr besonders viel Glück erfahren. Wenn die Kinder am 23. Dezember ins Bett gehen, fängt für die Eltern der Stress erst so richtig an. Denn sie dekorieren und schmücken alles, dass die Überraschung am nächsten Tag perfekt ist. Im Mittelpunkt steht vor allem der Weihnachtsbaum, den der Vater aus dem Wald holt. Ein weiterer Höhepunkt ist der Weihnachtsfrieden. Er wird in Turku, vom Balkon des Domes, ausgerufen. Das erfolgt jedes Jahr um 12 Uhr am 24. Dezember.